Infos zur Sozialen Ökonomie

Wer ein soziales Unternehmen gründen will, benötigt mehr als das konventionelle betriebswirtschaftliche Know-How. Hier findet ihr Hinweise auf Tools, die bei der Gründung helfen:


Soziale Ökonomie – Was, warum und wozu?

WAS?
Soziale Ökonomie, das sind alle Organisationen und Unternehmen, die soziale Ziele verfolgen.
Ihre Wirtschaftsweise ist daher anders als die renditeorientierter Unternehmen.
Soziale Ökonomie hat es schon immer gegeben. Der Begriff und die entsprechenden sozialen Unternehmen sind im 19. Jahrhundert entstanden.

WARUM?
Der Staat und renditeorientierte Unternehmen können nicht alle Bedürfnisse und Bedarfe abdecken. Auch gibt es gesellschaftliche Herausforderungen, die mit den üblichen Wirtschaftsformen nicht gelöst werden können (z.B. Armut, Arbeitslosigkeit und Umweltschäden).

WOZU?
Die Akteure der Sozialen Ökonomie verfolgen – anders als andere Organisationen der Zivilgesellschaft – ihre sozialen Ziele auf ökonomischen Weg, z.B. durch die Gründung sozialer Unternehmen. Dadurch tragen sie maßgeblich zur sozial-ökologischen Transformation unserer Gesellschaft bei.
Technologie-Netzwerk Berlin e.V. verbreitet diesen Begriff in Deutschland seit über 30 Jahren und hat daher mit Partnern aus aller Welt Informationen, Instrumente und Beispiele von sozialen Unternehmen in der Sozialen Ökonomie gesammelt.

Soziale Ökonomie international:

Vernetzungen und Unterstützungsstrukturen in anderen europäischen Ländern, insbesondere in Südeuropa, haben inzwischen eine lange Tradition. Auch internationale Organisationen wie die Internationale Arbeitsorganisation IAO, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD, die Vereinten Nationen (UN) und die Europäische Union widmen sich vermehrt diesem Thema. Es gibt eine Reihe europäischer und internationaler Vernetzungen von Organisationen der Sozialen Ökonomie und ihrer Unterstützer aus Forschung und Verwaltung wie CIRIEC (Forschungsinstitut für öffentliche und kooperative Ökonomie), EMES (europäisches Netzwerk der Sozialen Ökonomie) und REVES (Netz der Städte und Regionen für die Soziale Ökonomie) sowie das interkontinentale Netzwerk RIPESS (Interkontinentales Netzwerk zur Förderung der Sozialen Solidarischen Ökonomie). Alle diese Organisationen unterstützen sozialökonomische Organisationen und Strukturen durch Veröffentlichungen, Programme und politische Maßnahmen, die für uns nützlich und nutzbar sind.

Quelle: https://www.oecd.org/cfe/leed/social-economy/

Soziale Ökonomie in Deutschland:

Technologie-Netzwerk Berlin e.V. hat im Rahmen seiner europaweiten Vernetzung Mitte der 90er Jahre die Begriffe der Sozialen Ökonomie und sozialer Unternehmen in Deutschland eingeführt und zahlreiche Forschungsarbeiten zu diesem Thema durchgeführt. Darüber hinaus wurden bundesweite Studien zum Thema Soziale Ökonomie / Soziale Unternehmen, u.a. für Bundesministerien und europäische Netze sowie Forschungsinstitutionen wie CIRIEC, EMES und RIPESS erstellt. Aus TechNet heraus sind im Laufe der Zeit vielfältige soziale Unternehmen gegründet worden.

In folgendem Dokument findet ihr einen Überblick:

Ausgehend von den sozialen Bewegungen, die sie gegründet haben, kann man zahlreiche soziale Unternehmenstypen in Deutschland unterscheiden. Schnell wird deutlich, wie breit und vielfältig, aber teilweise eben auch spezifisch Soziale Unternehmen ausgerichtet und organisiert sind:

Unternehmen der
1) Genossenschaftsbewegung,
2) Wohlfahrtsorganisationen,
3) Stiftungen,
4) ideelle Vereinigungen
sowie (vornehmlich seit den 80er Jahren)
5) Inklusionsunternehmungen benachteiligter Gruppen,
6) Freiwilligendienste bzw. -agenturen,
7) Alternativ-, Frauen- und Umweltbewegung (z.B. Kollektivbetriebe),
8) Selbsthilfebewegung,
9) Soziokulturelle Zentren,
10) Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften,
11) Tauschsysteme auf Gegenseitigkeit,
12) Nachbarschafts- und Gemeinwesenökonomie-Initiativen (z.B.
Stadtteilbetriebe)
13) Social Entrepreneurship & Social Startups

Nationale Strategie für Soziale Innovation und gemeinwohlorientierte Unternehmen

„Mit der Strategie stellen wir entscheidende Weichen für die Transformation in eine sozial-ökologische Marktwirtschaft. Gemeinwohlorientierte Unternehmen spielen nicht nur als Treiber Sozialer Innovationen eine wichtige Rolle, sondern sie lösen als wichtiger Wirtschaftsfaktor gesellschaftliche Herausforderungen mit unternehmerischen Mitteln. Um Ihre Wirkung zu erhöhen, schaffen wir für sie einen verbesserten Zugang zu finanzieller Unterstützung, investieren in den Ausbau des Ökosystems und verbessern die rechtlichen Rahmenbedingungen.“ -Minister Robert Habeck, BMWK

Lange haben sich unterschiedlichste Akteur:innen dafür eingesetzt die Wirkung und das Potential Sozialer Organisationen und Unternehmen sichtbar zu machen. Gleichzeitig war es ihnen ein Anliegen, ihre Bedarfe deutlich zu machen. Im September 2023 hat die Bundesregierung die Nationale Strategie für Soziale Innovation und gemeinwohlorientierte Unternehmen verabschiedet. Erarbeitet wurde sie gemeinsam vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Hier ein paar relevante Beispiele aus den rund 70 Maßnahmen der Strategie:

Wir verbessern den Zugang zu Finanzierung:
• Ungleichbehandlungen beim Zugang zu Fremdkapital sollen für Gemeinwohlorientierte Unternehmen abgebaut werden. Insbesondere für Unternehmen mit dem Status der Gemeinnützigkeit prüfen wir, wie der Zugang erleichtert werden kann.
• Bisherige Wagniskapitalinstrumente fokussieren stark auf schnelles Wachstum und Verkauf (Exit) der Unternehmensanteile. Für Gemeinwohlorientierte Unternehmen sind Mezzanine-Instrumente oft geeigneter für ihre Finanzierung. Deswegen streben wir z. B. eine Öffnung des INVEST-Zuschusses auch für Mezzanine-Finanzierung an und verbessern u. a. die Bedingungen des Mikro-Mezzanine-Fonds.

Wir fördern Gründung und Professionalisierung:
• Gründungsfinanzierung ist für alle Gründerinnen und Gründer herausfordernd. Unterstützungsprogramme wie EXIST berücksichtigen nun verstärkt Kriterien der Nachhaltigkeit. Frauen, die besonders häufig gemeinwohlorientiert gründen, werden über EXIST Women besonders gefördert.
• Bedarfsgerechte Gründungsberatung, Anlaufstellen und Netzwerke sind für junge Unternehmen Gold wert. Deshalb investieren wir in den Ausbau des Ökosystems Gemeinwohlorientierter Unternehmen, indem wir Förderporgamme wie “REACT with impact“ geschaffen haben und auch weiter die Entwicklung solcher Ökosystemen fördern wollen.

Wir verbessern die rechtlichen Rahmenbedingungen:
• Um Gemeinwohlorientierten Unternehmen den Gründungsprozess zu erleichtern, werden wir das Genossenschaftsrecht weiter digitalisieren und wollen auch im Gesellschaftsrecht Verbesserungen schaffen.
• Darüber hinaus gestalten wir das Gemeinnützigkeitsrecht effizienter, indem unangemessene, insbesondere bürokratische Hürden abgebaut werden.

Quelle: https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Dossier/nationale-strategie-fuer-sozialunternehmen-und-social-startups.html

Soziale Ökonomie in Berlin:

Für die Gründung und Entwicklung Sozialer Unternehmen bietet Berlins vielfältiges Ökosystem große Unterstützung zu verschiedensten Themenbereichen. Mittlerweile ist daher die Soziale Ökonomie in Berlin ein bedeutender und dynamischer Wirtschaftsfaktor geworden und schon lange kein Nischenthema mehr. Da dieser Sektor jedoch momentan noch weitgehend unerforscht ist, können aktuell keine Angaben zur Anzahl und zum Umfang der Sozialen Unternehmen in Berlin gemacht werden. Bisher gab es einige Schätzungen und Erhebungen, jedoch bildeten diese stets nur einen Teil der Sozialen Ökonomie in Berlin ab; die Gesamtheit wurde nie erfasst. Um diese abzubilden, bedarf es einer Bestandsaufnahme aller Sozialer Unternehmen und ihrer wichtigsten Charakteristika, wie Angebote, Wirtschaftskraft, Umfang und Vielfalt. Da jedoch Soziale Unternehmen in unterschiedlichen Rechtsformen und Ausprägungen vorhanden sind, erschwert sich die Erfassung und Darstellung der Sozialen Ökonomie.

In Berlin hat sich auf Initiative von Technologie-Netzwerk Berlin e.V. 2007 ein Bündnis relevanter Organisationen der Sozialen Solidarischen Ökonomie entwickelt, das sich für die Stärkung des Sektors des Sozialen Ökonomie einsetzt. TechNet hat 2007 im Auftrag des Berliner Wirtschaftssenats eine Bestands- und Potenzialanalyse der Sozialen Ökonomie für den Ostteil der Stadt verfasst. Ferner war TechNet Projektpartner in dem Pilotprojekt „Social Innovation Capital Berlin – ein starker Standort für Soziale Solidarische Ökonomie und soziale Unternehmen.“ Das Nachfolgeprojekt Social Economy Berlin (SEB) wird von TechNet und dem Social Entrepreurship Netzwerk Deutschland e.V. gemeinsam geleitet und von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe unterstützt. Seit nun mittlerweile über 2 Jahren bietet SEB eine Plattform für das Ökosystem der Sozialen und Solidarischen Ökonomie in Berlin. Dies umfasst Beratung mit unterschiedlichen Schwerpunkten, Vernetzungsmöglichkeiten sowie die Sensibilisierung potentieller Fördermittelgeber:nnen, der Politik und Wissenschaft für das Thema und die Bedarfe der Sozialer und Solidarischer Unternehmen und Organisationen. TechNet als in Berlin bekannte intermediäre Unterstützungsorganisation verfügt über ein breites Unternehmer:innen-Netzwerk und ist mit mindestens 300 Akteuren und Unternehmen in Berlin im Austausch.

Alle Akteur:innen des Ökosystems in Berlin findet ihr in folgender Broschüre.

Quelle: Frederik Lorenz

Um vor allen Dingen öffentlichen Institutionen eine Einordnung Sozialer Unternehmen zu ermöglichen hat die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe ein Gutachten in Auftrag gegeben und basierend darauf einen Kriterienkatalog entwickelt.